Channel Kipppunkt
Der Channel Kipppunkt ist der Zeitpunkt oder enge Zeitraum, an/in dem sich Probleme und die daraus entstehenden Schäden nicht mehr leugnen, verharmlosen oder tolerieren lassen, weil sie offen sichtbar werden – besonders für externe Stakeholder. Man weiß nie genau, wann er kommen wird, aber er kommt unweigerlich – außer es werden rechtzeitig die richtigen Maßnahmen eingeleitet.
Zeigen sich bei Stakeholdern (Investoren, Aufsichtsräte, Eigentümer, nicht wohlgesonnene Kollegen) erste Anzeichen von Unruhe, ist es fast schon zu spät. Ist er eingetreten, werden diejenigen Führungskräfte, die nichts oder das Falsche unternommen haben, sozusagen „kalt erwischt“.
Vor und nach dem Kipppunkt:
- VOR dem Kipppunkt haben verantwortliche Führungskräfte einen makellosen Ruf als Leader/Manager. Es besteht kein Zweifel an ihrer Management-Befähigung.
- NACH dem Kipppunkt besteht berechtigter Zweifel an ihrer Management-Befähigung: auf eine offensichtliche Bedrohungslage (Ungewissheit, Krisen, Disruption, die auf einen sanierungsbedürftigen Partnervertrieb treffen) wurde nicht, nicht angemessen, zu zögerlich oder zu spät reagiert. Die Konsequenzen: beschädigte Reputation, finanzielle Einbussen, Einzahlung auf das“Kündigungskonto“ – oder sogar die Kündigung.
Gründe für Verschleppung von Maßnahmen:
In der Regel lassen sich in der Praxis immer mehrere Gründe identifizieren. Hier eine Auswahl der am meisten verbreiteten:
- Procrastination
- Management by Dutch Auction
- Ignoranz
- Mangel an Optionen
- falsche Denkweise
- Realitätsverlust (Wahrnehmungsverlust)
- Überheblichkeit
Wirkung in die Zukunf UND die Vergangenheit:
Eine Besonderheit des Kipppunktes ist, dass seine Konsequenzen für das Management in zwei Richtungen gehen: Zukunft und Vergangenheit. Der Kipppunkt wirkt also doppelt.
- Zukunft: „Warum haben Sie keine Vorkehrungen getroffen?“ oder „Haben Sie das nicht kommen sehen?“
und damit untrennbar verbunden
- Vergangenheit: „Wie lange geht das schon mit der systematischen Verschwendung?“ oder „Wie konnten Sie so einen Zustand überhaupt übersehen/dulden/fördern?“
Die gute Nachricht ist, dass es für dieses zuerst einmal rein politische Problem praxiserprobte und einfache Präventivmaßnahmen gibt: glaubwürdig darstellen, dass man die Situation und ihre Brisanz erkannt und schon erste Schritte eingeleitet hat, wie etwa gezielter Know-how-Aufbau, Selbsttests und punktuelle Assessments.
Jetzt kann man nicht mehr „kalt erwischt“ werden.
